Kollegiale Fallberatung – eine Methode mit Potenzial (Fachartikel)
Vom mehrperspektivischen Fallverstehen zum lösungsorientierten Handeln
Die Kollegiale Fallberatung hat sich als lösungs- und ressourcenorientierte Methode seit mehr als einem Jahrzehnt zunehmend als eine wirksame Form der Personalentwicklung etabliert. Der Grundgedanke ist dabei nicht neu, wohl aber die Strukturierung und Präzisierung des Prozesses. Die Methode zeichnet sich durch ihren hohen Praxisbezug aus und ermöglicht, ein großes Spektrum von Themen und Inhalten gemeinsam zielführend zu reflektieren und effektiv zu bearbeiten. Gegenstand der Kollegialen Fallberatung sind herausfordernde Fragestellungen und Themen, die in Verbindung mit einem konkreten beruflichen Anlass stehen und die gemeinsam reflektiert und lösungsorientiert bearbeitet werden.
Im Rahmen einer qualitativen Studie wurde belegt, dass mit der etablierten Anwendung der Methode eine umfängliche Professionalisierung einhergeht. Diese basiert auf mehreren Faktoren, zu denen neben einem tieferen Fallverständnis aufgrund des konstruktiven Zugangs zu fremden Sichtweisen und Perspektiven, auch die jeweils erarbeiteten Lösungsstrategien für komplexe Herausforderungen in der Berufspraxis zählen, weil sie zur Erweiterung der Handlungskompetenzen beitragen (Hartung.2021). Richten wir den Fokus auf die beruflichen Herausforderungen unserer Zeit, hat diese Beratungsmethode aufgrund des mehrperspektivischen Fallverstehens, der konsequenten Lösungsausrichtung und fachlichen Effizienz, das Potenzial, um inmitten knapper Ressourcen gelingende Handlungsstrategien zu entwickeln und umzusetzen.
In diesem Fachartikel erhalten Sie einen präzisen Überblick über die Merkmale, die Ablaufstruktur sowie Ziele und Nutzen der Beratungsmethode. Abschließend werden Voraussetzungen für gelingende Beratungsprozesse aufgeführt und fachliche Empfehlungen für eine nachhaltige Anwendung und Implementierung gegeben.
Merkmale Kollegialer Fallberatung
Die Kollegiale Fallberatung ist eine Form gegenseitiger Beratung in einem von Fachkräften selbst geleiteten Beratungsprozess, die sich zu einem attraktiven Beratungsformat für Angehörige zahlreicher Berufsgruppen entwickelt hat. Ihr hoher praktischer Nutzen, ihre vielseitige Anwendbarkeit und ihre schnelle Verfügbarkeit zeichnen sie aus (Hartung.2021)...Die Kollegiale Fallberatung baut darauf auf, die vielfältigen Erfahrungen und die Lebendigkeit einer Gruppe zu nutzen. Der Beratungsansatz und die Methodik erfordern, dass fünf bis sieben Personen teilnehmen. Alle Beteiligten sind aufgefordert, ihr jeweiliges Fachwissen, ihren Erfahrungshintergrund sowie erworbene Kompetenzen aus ihrer Berufspraxis einzubringen. Die Kollegiale Fallberatung nutzt die sozialen Stärken der Kollegialität und ergänzt sie durch eine formale Struktur der Gesprächsführung, um ihre Wirksamkeit zu steigern und zu schärfen. Diese Struktur leitet das Gespräch und fokussiert konsequent das Ziel: Die Analyse und Bewältigung eines aktuellen Problems im Arbeitsprozess. Die Kollegiale Fallberatung setzt auf die Kompetenz und Erfahrung der teilnehmenden Fachkräfte (Wiendiek. 2021). Die Anwendung der Beratungsmethode soll zu einer Bandbreite an alternativen Ideen und Lösungsvorschlägen führen, aus denen die falleingebende Person die für sie geeigneten auswählen kann. Im Vordergrund steht somit die Absicht, die Vielfalt von Perspektiven zu erhöhen und die Handlungsspielräume zu erweitern (Tietze.2016).
Den gesamten Fachartikel lesen Sie beim Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V., nifbe.de.